von Andreas Herrmann
Kegeln (chegil, bossen, Kegelwerfen) zählt zu den beliebtesten Wettkampf-
und Gesellschaftsspielen. Schon im alten Ägypten war das "Rollen mit dem
Stein" bekannt. Teile eines Kegelspiels fand man bei Ausgrabungen in einem
Kindergrab. Auch in anderen Grabstätten sind Kegelszenen, auf Wandreliefs
abgebildet, gefunden worden. Aus Überlieferungen ist bekannt, dass selbst die
Germanen beim "Stein-Ziel-Werfen" auf drei, sieben oder neun
Kegelknochen wetteiferten. Dabei sollten einerseits die stets allgegenwärtigen
Dämonen vertrieben und die körperliche Ertüchtigung gepflegt werden.
In Europa lässt sich das Kegeln bis in die Mitte des 12.Jahrhunderts zurückverfolgen.
"Nur diente es damals einem völlig anderen Zweck. Es liegt in der Natur
der Sache, daß es leicht ausartet und niedere Instinkte weckt" so ein
Geschichtsforscher. Die erste Erwähnung des Kegeln wurde in der Chronik der
Stadt Rothenburg gefunden. Ein junger Mann aus gutem Haus, der große Summen
verloren hatte, wurde 1157 von seinem Onkel zu folgendem Gelöbnis gezwungen :
"...zehn Jahre lang kein Spiel, sei es Würfeln oder Kegeln oder andere
Spiele, womit man seinen Mitmenschen Verluste beibringt". Bei
Nichteinhaltung drohte ihm der Verweis aus der Stadt und der Einzug seines
gesamten Vermögens. Der Missbrauch des Kegelns wurde auch durch ein Gedicht des
Rektors Hugo von Trimberg Mitte des 13.Jahrhunderts belegt, in welchem er gegen
das Kegeln zu Felde zog. Auch dem Braunschweiger Stadtrecht von 1232 kann man
entnehmen, "dass derjenige ein schlechter Mensch sei, der Vagabunden und
Kegelspieler mehr als eine Nacht bei sich aufnimmt".
1265 erwähnt eine Handschrift aus Xanten die sogenannten "fratres
kegelorum" (Brüder des Kegelns), eine Gilde, zu deren Beitritt die
Aufnahmegebühr in Form von Naturalien entrichtet werden musste. Die Spielregeln
waren zu dieser Zeit fast völlig offen. Anfangs wurde eine Kugel nur auf einen
Gegenstand geworfen oder gerollt. Später waren es dann 11 Gegenstände, die
bereits den heutigen Kegeln ähnelten. Es fehlte auf keinem Jahrmarkt, keinem
Kirchweihfest und keiner Hochzeit. Es diente der Belustigung von jung und alt,
arm und reich. Bei soviel Eifer traten die sportlichen Ziele immer mehr in den
Hintergrund und es wurde letztlich um Gut und Geld gespielt, so dass im Verlauf
der Geschichte von Stadt- und Gemeindeverwaltungen des öfteren Verbote gegen
das Wettkegeln "einer kleineren Anzahl notorischer Spieler und Betrüger"
ausgesprochen wurden, denn es ging derb, ja zuweilen sogar gewalttätig beim
Kegeln zu. Durch den gewaltigen Durst der Kegelbrüder kam es nicht selten zu
Raufereien und sogar Messerstechereien waren an der Tagesordnung. In England zum
Beispiel ordnete 1388 König Richard II. per Erlass an, "Fußball und
andere Spiele ganz und gar zu unterlassen, als da sind Diskuswerfen, Steinstoßen,
Kegeln...". Dennoch blieb das Kegeln vor allem bei Geistlichen, Fürsten
und Stadtvätern sehr beliebt und wurde auch bei Volksfesten stets in seiner
harmlosen Form weiterbetrieben.
Pikanterweise überdauerte das Kegeln die Zeit der Verbote und fand Eingang in
die Gesellschaft durch die geistliche Obrigkeit. In vielen Klöstern verkörperte
der Kegel das Böse und so hatte man wenigstens einen guten Grund, das
"Heidenwerfen" (Heidentöten) weiter zu betreiben, zumindest bis zur
Zeit der Reformation. 1529 stand in der Reformationsverordnung der Stadt Basel :
"kein Kegeln an Sonn- und Feiertagen während des Gottesdienstes und vor
13.00 Uhr". Als das Kegelspiel wieder erlaubt war, wurde zunächst
ausschließlich in die Vollen geworfen, wobei nach jedem Wurf neu aufgestellt
werden musste. Das war jedoch recht anstrengend für die Kegeljungen und außerdem
recht zeitraubend. Als Erleichterung wurde dann das Abräumen erfunden, bei dem
erst wieder aufgestellt wurde, bis alle Kegel getroffen waren. Bis ins 18.
Jahrhundert wurde ausschließlich im Freien gekegelt. Gesellschaftsfähig wurde
das Kegeln erst durch Einführung einer Kegelordnung gegen Ende des
18.Jahrhunderts.
1786 schrieb der Berliner Arzt und Gelehrte Johann Georg Krünitz in seinem 242
bändigen Lexikon erstmals von "13 Regeln für das Kegelspiel", die
unter anderem heute noch Gültigkeit haben, z.B. dass nicht übergetreten werden
darf und die Kugel vor einer bestimmten Markierung aufgesetzt werden muss.
Schiller und Goethe waren eifrige Anhänger des Kegelns. Eng verwandt mit dem
Kegeln ist Bowling. Süddeutsche Einwanderer konnten in den USA nicht auf ihre
"Lattenbahn" verzichten und führten das Spiel in Nordamerika ein.
Aber auch in der neuen Welt gab es Probleme mit dem Kegeln. 1837 verbot in
Hartfurt/Connecticut der Staatsgerichtshof "das Spielen auf neun
Kegel". Die Begeisterung an diesem Spiel brachte die Kegler dann aber auf
die Idee, durch einen 10. Kegel das Verbot zu umgehen.
Zu Beginn des 19.Jahrhunderts kam es dann zu ersten Klubgründungen mit regelmäßigem
Kegeln. Zuerst war deren Anliegen, die Bedürftigen zu unterstützen, aber schon
bald traten die sportlichen Ziele in den Vordergrund.
Quellen:
A. Haas - Kegeln nach neuen Regeln
G.Bocsai - Fibel für Kegelfreunde
G.Gromann -Fit mit Kegeln